von LASK1908 » 26.05.2008 16:17
Zellhofer: "Es muss schnell viel passieren"
Georg Zellhofer ist wieder zurück in Oberösterreich. Nach zwei bewegten Jahren in Wien bei den Großklubs Rapid und Austria hat ihn seine Heimat wieder. In Ried erwartet ihn aber alles andere als ländliche Idylle.
Sein neuer Job im Innviertel birgt von Beginn an viele Gefahren. "Ein völliger Umbruch, die Aufgabe wird nicht leicht", gesteht Neo-Coach Georg Zellhofer im Interview mit sportnet.at. Die Mannschaft muss neu zusammengestellt werden, das Ziel bleibt dasselbe: Mit dem Abstieg will man bei der SV Ried auch in der kommenden Saison nichts zu tun haben. Zellhofer im exklusiven Talk über die Großbaustelle Ried, die schwierige Kaderplanung und warum er sich nicht mit dem LASK messen will.
sportnet.at: Herr Zellhofer, die offizielle Bekanntgabe, dass Sie Ried-Trainer werden, war etwas skurril. Sie waren gar nicht da, verbrachten gerade Ihren Urlaub. Wie kam es dazu?
Georg Zellhofer: "Es war ja kein Geheimnis, dass es zwischen Ried und mir Gespräche gab. Ich wollte mich eigentlich nicht so schnell entscheiden, weil sich der Klub im Umbruch befindet und ich sichergehen wollte, dass in der nächsten Saison eine schlagkräftige Mannschaft gestellt werden kann. Stefan (Reiter, Ried-Manager und Freund von Zellhofer, Anm.) hat sich bei der Spielersuche aber sehr schwer getan, weil eben der Trainer noch nicht feststand. Auf seine Bitte habe ich also sehr kurzfristig zugesagt, obwohl ich gerade auf Urlaub in Ägypten war."
Sie haben es bereits gesagt: Ried befindet sich im Umbruch. Viele Verträge laufen aus, einige Spieler werden den Verein noch verlassen.
"Stimmt, am Spielersektor muss sich schnell viel tun. Mit Jank, Rzasa und Dospel fallen drei von vier Verteidigern schon sicher weg. Eine ähnliche Situation haben wir im Mittelfeld: Dort werden Martinez, Pichorner und Erbek fehlen. Zudem fällt Hackmair mit einem Kreuzbandriss länger aus. Das heißt, wir bräuchten einige Neuverpflichtungen, um das gut kompensieren zu können."
[© GEPA pictures/ Thomas Bachun]
Fünf neue Spieler wären nicht schlecht. "Zelle" gibt sich aber auch mit weniger zufrieden.
Klingt nicht gerade sehr euphorisch. Ist es dann überhaupt möglich, in der nächsten Saison eine schlagkräftige Mannschaft zu stellen?
"Was heißt euphorisch? Man muss eben den Tatsachen ins Auge sehen. Ich spreche nicht davon, dass wir jetzt unbedingt acht Neue brauchen. Aber wenn wir drei oder vier Spieler holen, dann müssen diese absolute Führungsspieler sein. Anders können wir diesen extremen Einschnitt nicht ausgleichen. Wir werden keinen 25-Mann-Kader mehr zusammen bekommen, aber ich hoffe doch, dass wir eine gute Truppe stellen werden."
Während Ihrer Abwesenheit wurden schon Transfers getätigt. Waren die mit Ihnen abgestimmt?
"Bammer und Hofer wurden ja schon vor meinem Urlaub verpflichtet. Burgstaller und Mader wurden in Abstimmung mit mir geholt."
Man kann also davon ausgehen, dass in den nächsten Wochen noch einiges passieren wird. Mit Patrick Scherrer von Austria Lustenau soll verhandelt werden - er wäre wohl der Ersatz für Harun Erbek?
"Ich werde jetzt sicher keine Namen nennen und in den Medien darüber spekulieren, welche Spieler noch kommen. Fakt ist, dass wir drei oder vier qualitativ hochwertige Spieler brauchen, die innerhalb der Mannschaft auch Verantwortung übernehmen."
[© GEPA pictures/ Christian Ort]
Zellhofer: "Es geht meistens nur noch ums Geld."
Wie wollen Sie solche Spieler nach Ried bringen?
"Man muss ihnen eben das Positive an diesem Klub zeigen, der nicht zufällig in der Vergangenheit immer gute Spieler herausgebracht hat - etwa Schiemer, der jetzt im Nationalteam steht. Ried hat eine sehr gute Infrastruktur, tolle Trainingsbedingungen, einen eifrigen Manager und einen Präsidenten, der mit ganzem Herzen bei der Sache ist. Man muss den Spielern halt klar machen, dass sie hier zwar für weniger Geld als woanders spielen müssen, sich dafür aber für größere Klubs präsentieren können. Das ist sicher nicht leicht, weil es großteils nur mehr ums Geld geht. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir eine charakterstarke Mannschaft stellen werden."
Ein ganz anderes Thema: Hat eigentlich auch der LASK bei Ihnen angeklopft?
"Nein."
Die Linzer beschreiten mit dem neuen Coach Andrej Panadic neue Wege. Ein "Teamchef" nach englischem Vorbild, der mit sehr vielen Kompetenzen ausgestattet wurde. Wie beurteilen Sie diese Lösung?
"Ich habe mit dem LASK nichts am Hut und will mir nicht anmaßen, das aus der Ferne zu kommentieren."
In Zukunft werden Sie aber mit dem LASK um die Vorherrschaft in Oberösterreich kämpfen. Sie haben in Wien die Derbies von beiden Seiten aus erlebt, da gibt es selten einen Favoriten. Mit Ried sind sie gegen den LASK nun klarer Außenseiter.
"Ich will mich gar nicht mit dem LASK messen, der ganz andere wirtschaftliche Möglichkeiten hat als Ried. In Linz ist die Erwartungshaltung ganz anders als im Innviertel. Wir müssen jetzt erst einmal auf uns selbst schauen, müssen bis zum Trainingsauftakt in drei Wochen einen guten Kader aufstellen. Alles andere kann man später diskutieren."
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LASK bis in den Tod