von Nightfire_01 » 07.07.2011 13:13
Keine Maßnahmen nach Fan-Ausschreitungen vor eineinhalb Monaten
Bei der Exekutive ist man derzeit gar nicht gut auf den SK Rapid zu sprechen. Man könnte sagen, man kocht dort.
Der Grund: Die Reaktionen des Wiener Traditionsvereins auf die Ausschreitungen in dessen Heimstätte, dem Hanappi-Stadion, vor mehr als eineinhalb Monaten beim Wiener Stadtderby. Aus Sicht der Polizei sind diese Reaktionen nämlich leere Versprechen.
"Die machen genauso weiter wie vorher" , zürnt einer.
Ein anderer bestätigt vor dem sonntäglichen Spiel gegen den deutschen Klub Hoffenheim: "Es gibt bisher noch überhaupt keine Platzverbote." Dieser Beamte greift Rapids Fanbeauftragten Andreas Marek auch frontal an: "Marek ist unkooperativ, reagiert nicht auf Anrufe und gibt leere Versprechungen. Er macht es sich im Moment sehr leicht, denn alles was gesagt und verspochen wurde hat er nicht eingehalten."
Ein dritter Beamte bringt es auf den Punkt: "Rapid hat der Bundesliga und auch uns viele Maßnahmen versichert und einige davon auch öffentlich vorgestellt. Als dann aber das Urteil der Bundesliga ausgesprochen wurde (Anm: 2 Geisterspiele + Geldstrafe) ist nichts mehr passiert. Rapid konzentirert sich nur noch auf die Proteste und wie man die Geisterspiele noch verhindern kann, die versprochenen Maßnahmen waren anscheinend nur bis zum Tag der Urteilsverkündung für Rapid wichtig."
Bei einer Besprechung sei die Frage nach den Stadienverboten aufgekommen. Marek soll argumentiert haben, man könne noch nichts machen, da man von Polizei und Gericht bisher keine Daten zu den Randalierern bekommen habe. Er selbst kenne die aggressiven Fans ja nicht. "Aber sie haben in den Medien doch gesagt, sie kennen mindestens 70 von denen" , hakte der Beamte nach. "Ja, aber nur die Namen" , soll Marek geantwortet haben. Der Einwand des Polizisten: "Entschuldigung, das sind alles Abonnementen, da haben sie ja die Adresse und sogar das Geburtsdatum dazu" , was Marek kaltgelassen hat: "Aber wir wissen ja nicht, ob die Personen dort überhaupt noch wohnen."
"Diese Argumente sich einfach absolut unversändlich, nur weil eventuell die Möglichkeit besteht, dass die ein oder andere Person den Wohnort gewechselt haben könnte, kann man nicht einfach aufhören diese ausfindig zu machen. Es handelt sich hierbei um Leute, die dem gesamten Fußballsport ins schlechte Licht rücken und die Gesundheit anderer Menschen gefährdet haben und da muss man radikal vorgehen. Was Rapid aber im Moment macht ist nicht zu verstehen, wir bei der Polizei sind ziemlich sauer da einfach gar nichts passiert. Der Verein tut im Moment so als wäre nie etwas vorgefallen und das ist verantwortungslos." so ein Polizeisprecher.
Auch bei den polizeilichen Ermittlungen rund um den Platzsturm war der Fanbeauftragte offenbar wenig aussagefreudig. Marek, der seit 19 Jahren für Rapid arbeitet und auch Stadionsprecher ist, soll auch als Zeuge angegeben haben, er kenne die Unruhestifter nicht. "Wenn ich da dabei gewesen wäre, hätte ich ihn wegen Behinderung der Justiz angezeigt" , grollt ein Insider. Die Ermittlungen könnten sich noch länger hinziehen, bis das umfangreiches Videomaterial ausgewertet ist.
Rapid-Präsident Rudolf Edlinger rechnete am 14. Juni bei einer Pressekonferenz übrigens noch damit, selbst 70 bis 100 Randalierer melden zu können und hatte hinzugefügt, die Zahl könnte sich durch die Polizei noch erhöhen. Und er hat dort auch einen "Katalog der Ehrlichkeit" vorgestellt.
Bisher wurde aber nichts davon umgesetzt und kein einziger "Randalierer" wurde gemeldet, angezeigt oder mit einem Stadionverbot bestraft.
Beim SK Rapid wurde die Bitte um einen Rückruf der Pressestelle oder Mareks bis Redaktionsschluss nicht erfüllt.
Quelle: APA