von 1886 » 25.10.2011 16:15
Konkursverhandlung gegen Xamax - das Protokoll
Ganz unten fängt es an
+++ 16.18 Uhr: Der Prozess ist beendet. Xamax-Generaldirektorin Barbara Perriard gibt keine Auskunft. Nächsten Mittwoch (2. November) wird der Richter entscheiden und sein Urteil den Parteien mitteilen.
+++ Der Anwalt des Klägers hält sich deutlich kürzer: «Man wirft uns vor, wir wollten den Tod von Xamax. Nein! Wir wollen wissen, ob Xamax Geld hat, ob es die laufenden Kosten und die Schulden bezahlen kann. Darauf haben wir keine Antwort erhalten. Im Gegenteil. Die Generaldirektorin sagt, das Geld sei blockiert. Mein Mandat verfügt über eine rechtsgültige Schuldanerkennung von Seiten von Xamax über 400 000 Franken. Wir beantragen den Konkurs.»
Kurz vor 16 Uhr läuft immer noch das Plädoyer von Xamax-Anwalt François Canonica. Dann wird Kläger Ralph Isenegger noch zu einigen Punkten Stellung nehmen. Doch bereits jetzt steht fest: Heute fällt das Gericht keinen definitiven Entscheid über die Zukunft des Vereins. Der Richter will erst noch Einsicht in die Xamax-Bilanzen nehmen.
+++ Der Xamax-Anwalt plädiert seit einer halben Stunde. Er versucht, die Glaubwürdigkeit des Klägers in Zweifel zu ziehen. Wirft ihm Geldgier vor. Mal zynisch und laut, mal leise und unterwürfig. Es ist eine Riesenshow, die Canonica abzieht. Lässt sich der Richter davon beeindrucken?
+++ Auch der Journalist von lematin.ch muss den Saal verlassen. Xamax-Anwalt Canonica: «Unter diesem medialen Druck kann ich mein Plädoyer nicht halten.» Wird der Prozess unterbrochen? Nein, Canonica will drei Minuten Zeit, um sich aufs Plädoyer vorzubereiten.
+++ Xamax-Anwalt Canonica vermutet eine Verschwörung. «Journalisten und ehemalige Xamaxiens wollen den Klub in den Konkurs stürzen.» Canonica beantragt beim Richter, dass der Journalist von 20minutes den Saal verlassen muss, weil er live getickert hat.
+++ Das Gericht will wissen, wie hoch das monatliche Xamax-Budget ist. «Rund 700´000 bis 800´000 Franken. Das kommt darauf an, wieviele Siegprämien und Sicherheitskosten anfallen.» Paradox: Je erfolgreicher Xamax auf dem Platz ist, umso grösser werden die Schulden.
+++ Achtung: Erste Journalisten werden des Gerichtes verwiesen!
+++ Richter Sandoz: «Frau Perriard, ist Xamax heute in der Lage, Saläre zu bezahlen? Ist Xamax liquid?»
Perriard: «Das Geld ist vorhanden, aber die Überweisung klappt nicht. Wegen der Medienhatz, wegen der grossen Unsicherheit, die herrscht.»
Richter Sandoz: «Kann Xamax heute Löhne bezahlen?»
Perriard: «Heute nicht, aber sobald die Konten in der Schweiz entsperrt sind, dann ja!»
+++ Richter Sandoz: «Frau Perriard haben Sie jemals Beweise für Tschagajews Liquidität gesehen?»
Perriard: «Ja, ich habe ein Attest der Bank of America gesehen, wonach auf Tschagajews Konto 35 Millionen Dollar sind.»
+++ Richter Sandoz will wissen: «Hat Xamax Geld, hat Tschagajew Geld?»
Perriard: «Ja, die Mittel sind vorhanden. Wir können sie nicht überweisen.»
+++ Perriard weiter: «Die mediale Hetze von BLICK und Le Matin hat dazugeführt, dass uns die Banken und private Firmen ablehnen.»
+++ Perriard: «Die Situation bei Xamax war sehr unübersichtlich, als ich am 1. September anfing. Die Credit Suisse akzeptierte unsere Überweisungen nicht, deswegen können wir im Moment auch keine Löhne bezahlen.»
+++ Richter Bastien Sandoz nimmt die Verhandlung wieder auf. Jetzt wird Xamax-Generaldirektorin Barbara Perriard angehört.
+++ Xamax-Anwalt Canonica gönnt sich eine Zigarette und erklärt den Journalisten seine Sicht der Dinge.
+++ Die Nerven liegen Blank. Sitzungsunterbruch für 20 Minuten. Köpfe und Gerichtssaal durchlüften!
+++ Xamax-Anwalt Canonica will vom Kläger wissen, ob der Kameruner Freddy Mveng verkauft werden sollte, weil dieser schwarzer Hautfarbe ist.
Der Richter interveniert: «Das tut hier nichts zur Sache!»
+++ Xamax-Anwalt Canonica wirkt wie ein angeschossener Löwe. Jetzt unterbricht er sogar den Richter und wird von diesem zum wiederholten Mal zu Recht gewiesen.
Der Richter sagt: «Herr Canonica, mässigen Sie sich!»
+++ Der Richter muss die Fenster im Saal öffnen. Mehr als 30 Leute sitzen im Raum. Xamax-Anwalt Canonica wird vom Richter immer wieder zu Recht gewiesen. Canonica unterbricht die Gegenpartei regelmässig. Er wirkt aggressiv und nervös. Er weiss: Es geht um die Zukunft des Vereins.
+++ Kläger Ralph Isenegger: «Zuerst hat mich Xamax kontaktiert wegen des Transfers von Raphael Nuzzolo zu YB. Ich habe Xamax mitgeteilt, dass YB auch an Freddy Mveng interessiert sei. Mit Xamax war vereinbart, dass der Transfererlös geteilt würde. Eine Hälfte für mich, die andere für Xamax.»
+++ Frage des Xamax-Anwalts an den Kläger: «Sind Sie Spieleragent?» Antwort: «Nein. Man hat mich in meiner Funktion als Anwalt eingeschaltet. Herr Tschagajew bat mich, für ihn einige Xamax-Spieler, die er nicht mehr wollte, an andere Klubs zu vermitteln.»
+++ Islam Satujew hat die Beine gekreuzt. Immer wieder greift er zum Handy, tippt wie ein Verrückter Nachrichten. Hält er so seinen Boss Tschagajew auf dem Laufenden?
+++ Xamax-Anwalt Canonica: «Haben Sie Xamax eine Rechnung geschickt?»
Ralph Isenegger: «Ich glaube ja, aber ich bin nicht ganz sicher. Ich kann die Rechnung aber nachreichen.»
+++ Jetzt wird Ralph Isenegger befragt. Der Mann, der behauptet, dass ihm Xamax 400 000 Franken schulde. «Können Sie eine Rechnung vorweisen?», fragt der Xamax-Anwalt.
+++ Der Richter lehnt die Anhörung von Liga-Manager Edmond Isoz ab: «Das trägt nichts zur Klärung bei.»
+++ Xamax-Anwalt Canonica möchte, dass die ehemaligen Direktoren Andrej Rudakow und Olga Danese angehört werden. Ebenso Ligamanager Edmond Isoz. Der Anwalt des Klägers, Vincent Solari, wirft Xamax Verzögerungstaktik vor.
+++ Der Xamax-Anwalt, François Canonica, versucht die Glaubwürdigkeit der Kläger in Zweifel zu ziehen. Der Agent, der vom Klub 400 000 Franken im Zusammenhang mit dem Transfer von Freddy Mveng zu YB verlangt, sei gar kein Spielervermittler.
+++ Satujew hat auf der Zuschauerbank Platz genommen.
+++ Die Verhandlung hat begonnen. Xamax-Vizepräsident Islam Satujew ist da. Ebenso Sportchef Christophe Moulin und Generaldirektorin Barbara Perriard. Zwei Dutzend Medienvertreter. Bulat Tschagajew ist nicht erschienen.