von 1886 » 18.11.2011 01:32
Wegen eines Satzes von einem Junior - FCL bestraft einen ganzen Klub
Diese Geschichte aus der Innerschweiz erinnert an einen Thriller aus Hollywood: Spionage, Drama, Vergeltungsschlag. Was ist da bloss passiert?
Der Reihe nach: Vor einigen Tagen äussert sich Junioren-Kicker J. B.* (18), der beim Zweitligisten SK Root spielt, im Internet kritisch über Luzerns Präsident Walter Stierli. «Stierli usschaffe», schreibt er auf die Facebook-Seite von Radio Pilatus als Antwort auf eine Umfrage zur Fanproblematik beim FCL.
Nicht die feine Art. Aber auch nicht wirklich dramatisch. Einen Erfolgsmann wie Stierli sollte es Âeigentlich nicht interessieren, was ein Bub im Netz über ihn verzapft. Könnte man eigentlich meinen!
Die Medienabteilung hat genug Zeit
Doch der FCL hat offenbar genügend Kapazitäten, um Internet-Seiten abzuklappern. Mitarbeiter der Medienabteilung entdecken den Kommentar des Juniors und «spionieren» J. B. sofort hinterher. Bald haben sie Âherausgefunden, bei welchem Verein der freche Junior kickt. Jetzt holen die Profis zum Gegenschlag aus.
«Wir haben im Facebook festgestellt, dass ihr Junior J. B. unseren geschätzten Präsidenten Walter Stierli beleidigte», heisst es in Âeinem strengen Mail von FCL-Vizepressechef Daniel Frank an die Führung des SK Root.
Doch damit nicht genug. Der FCL erklärt die langjährige freundschaftliche Beziehung mit dem ganzen Amateurklub kurzerhand für beendet! Wegen der Beleidigung sei man für Anfragen zu Freundschaftsspielen oder Autogrammstunden in Zukunft nicht mehr empfänglich.
«Wir werden kollektiv bestraft»
Roger Bühler (41), Präsident vom SK Root, traut seinen Augen nicht. Er entschuldigt sich umgehend beim FCL, kann das Vorgehen des grossen Bruders aber nicht fassen. «Unsere 240 Mitglieder werden kollektiv bestraft! Ein Denkzettel ist für den Buben nicht schlecht, aber der Rest ist eine krasse Überreaktion.»
Er findet, man könne nicht den Verein zur Verantwortung ziehen. «Wir machen unsere Arbeit freiwillig, werden dafür nicht bezahlt. Das ist Frondienst! Es ist für uns unmöglich, das Privatleben der Jungs zu kontrollieren.»
Und verbittert legt er nach: «Der FC Luzern kann froh sein, dass es uns Landklubs gibt und nicht umgekehrt. Die sind auf den Breitensport angewiesen. Wir legen den Grundstein im Kinderfussball.»
Der Junior will anonym bleiben
J. B. ist der Rummel zu viel. Er möchte anonym bleiben, hat Sorge, noch mehr Probleme zu bekommen. In der Swissporarena ist er am Sonntag beim Spiel gegen GC unerwünscht. Der Root-Junior fühlt sich ungerecht behandelt. «Ich habe einfach meine Meinung gesagt. Ich dachte, das darf man in der Schweiz.»
FCL-Pressechef Stefan Bucher erklärt: «Wir überwachen das Internet nicht systematisch, haben einen Tipp erhalten. Ich finde es richtig, dass wir den Verein informiert haben.»
Er gibt aber zu: «Der Tonfall und die Massnahmen waren nicht verhältnismässig. Wir werden mit Sicherheit noch mal auf den Klub zugehen, um den Vorfall aus der Welt zu schaffen.»