von Altachfan » 11.10.2010 23:39
Thema "Ende der Regionalliga?": Die Trainerstimmen
Der Reformvorschlag, die Regionalligen durch eine österreichweite 3. Liga zu ersetzen, sorgte für ordentlichen Wirbel. Die Trainer der RLW-Klubs bezeichnen diesem Vorschlag als "Typisch Österreich" und "Humbug".
rlw.at befragte die Trainer bzw. Sportlichen Leiter der Westligisten zum Reizthema "Ende der Regionalligen?". Sind die Trainer bekanntlich während den Spielen oftmals verschiedener Ansicht, so gehen die Meinungen in Bezug auf dieses Thema nicht weit auseinander. Die meisten sehen in der Wirtschaftlichkeit das größte Problem, einige ersehnen die gute alte U21-Meisterschaft wieder herbei.
Roland Kirchler, Trainer WSG Wattens:
„Typisch Österreich. Da arbeitet man im Verein einen Dreijahresplan aus und muss sich jedes Jahr mit geplantgen Reformen herumschlagen. Die Sache scheitert ja schon an der Finanzierung, eine 3. Liga funktioniert in Österreich nicht. Ein Playoff wie in den 1980er Jahren oder eine zweigeteilte 2. Liga (Ost/West) würde Sinn machen. Eine die U21-Meisterschaft würde ich begrüßen, – ich bin selbst den Weg durch die U21 gegangen. Der vorgestellte Reformvorschlag ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss.“
Thomas Silberberger, Trainer FC Kufstein:
„Ich halte diese Idee für absoluten Humbug. Die Profiklubs sollen ihre U-21-Meisterschaft wieder einführen und ihre Amateurklubs abschaffen. Damit wäre den „normalen“ Regionalligavereinen sehr geholfen und eine solche Reform nicht von Nöten.“
Josef Pranter, Trainer Union Innsbruck:
„Eine Reform des österreichischen Ligensystems ist sowieso alljährlich im Gespräch. Sportlich halte ich eine österreichweite dritte Liga durchaus für sinnvoll – wobei auch eine Aufstockung der zweiten Leistungsstufe was bringen würde. Ob eine Aufstockung allerdings wirtschaftlich Sinn macht, wage ich bei den enormen Reisekosten und den vermutlich nicht steigenden Zuschauerzahlen stark zu bezweifeln.“
Stefan Marasek, Trainer SV Reichenau:
„Ich bin absolut für eine Aufwertung der Regionalligen, denn der Fußball muss zuerst in die Breite gehen, damit die Spitze verbessert werden kann. Wir brauchen eine Spielwiese für die jungen Fußballer, deshalb wäre eine Aufstockung der Bundesliga sinnvoll. Dass sich die großen Vereine gegen eine 16er-Liga wehren, ist mir klar. Da die Wirtschaftlichkeit dagegen spricht. Aber genau darin liegt das Problem! Es muss auch in den unteren Ligen wirtschaftlich funktionieren! International gibt es praktisch nirgends mehr eine 10er-Liga. Außerdem war die Abschaffung der U21-Meisterschaft ein Grundübel. Viele Spieler aus den Akademien sind nach der Ausbildung noch nicht so weit und können nirgends spielen, da wäre eine eigene Meisterschaft optimal. Auch die zweite Liga kostet unheimlich viel Geld und es gibt nur wenig Zuschauerinteresse. Welche Vereine können es sich leisten aus finanzieller Sicht professionell den Spielbetrieb in der zweiten Liga zu bestreiten! In den Regionalligen gibt es eigentlich nur wenige Teams, die überhaupt aufsteigen wollen. Eine neue dritte Liga in der geplanten Form wäre meiner Meinung nach absolut nicht zielführend um den österreichischen Fußball dort hinzuführen wo wir ihn gerne alle zusammen haben wollen.“
Roland Ortner, Trainer FC Wacker Innsbruck Amateure:
„Man müsste sich das Modell erst im Detail anschauen, aber müsste beispielsweise meine Mannschaft ab sofort in der Landesliga spielen, so wäre das absolut sinnlos, da die jungen Spieler zu wenig gefordert werden würden. Aktuell ist das sportliche Niveau der Regionalliga für meine Jungs sehr gut geeignet, um das Rüstzeug für spätere Aufgaben im Profifußball zu erwerben.“
Dietmar Emich, Trainer SV Austria Salzburg:
„Von dieser Reformidee halte ich gar nichts. Es würde eine künstliche De-Facto-Profiliga geschaffen werden, die realistischerweise kaum zu finanzieren ist. Ich würde vielmehr dafür plädieren, die zweite Leistungsstufe auf 16 Vereine aufzustocken und dort Halbprofitum einzuführen, sprich die Spiele am Samstag bzw. Sonntag anzusetzen. Aktuell ist die zweite Leistungsstufe sehr unattraktiv, ein ziemliches Retorten-Produkt. Eine erweiterte zweite Leistungsstufe mit Vereinen, die hinsichtlich ihrer Größe und auch ihrer Fans ein entsprechendes Potenzial mitbringen – wie zum Beispiel BW Linz, GAK, wir oder der Sportklub – wäre zum einen sportlich sinnvoll und zum anderen auch für das Publikum sehr attraktiv. Die Amateurteams der Profiklubs würde ich deshalb komplett abschaffen. Die Regionalligen würde ich so belassen wie sie derzeit sind.
Toni Schaupper, Trainer TSV St. Johann:
„Für die Amateurklubs der Bundesligavereine wäre diese Liga sicherlich positiv, für die anderen Vereine eher nicht, da die Situation vor allem finanziell sehr schwer zu meistern wäre. Ich denke nicht, dass zum Beispiel ein Match Wattens gegen Parndorf die Zuschauermassen anziehen würde. Der Hintergedanke bei dieser geplanten Reform ist sicherlich, jungen Spielern eine möglichst niveauvolle Ausbildungsplattform zu bieten, möglichst viele junge Österreicher an hohes Niveau heranzuführen. Kleinere Vereine wie St. Johann stehen da sicherlich nicht im Zentrum der Überlegungen.“
Thomas Hofer, Trainer USK Anif:
„Ich kann dieser Reformidee nicht viel abgewinnen. Einerseits will man keine zweite Liga mit 16 Vereinen, andererseits soll eine österreichweite dritte Liga eingeführt werden, wo man de facto den gleichen Aufwand hätte, wie in der zweiten Liga. Das Bestreiten einer bundesweiten Meisterschaft ist als Amateurverein absolut undenkbar, sinnvoller wäre es, die zweite Liga für ambitionierte Vereine, die auch das Potenzial für Profifußball haben, aufzustocken.“
Hans Hajek, Trainer TSV Neumarkt:
„Sportlich wäre diese Idee sehr interessant, aber meiner Meinung nach ist dieses Konzept praktisch nicht durchführbar. Die finanziellen Rahmenbedingungen sind hierfür in Österreich nicht gegeben, auch in der zweiten Liga tun sich jetzt schon diverse Klubs finanziell sehr schwer. Wie ich aus eigener Erfahrung weiß, ist es sportlich nicht sinnvoll, weite Auswärtsfahrten am Matchtag zu tätigen – und österreichweite Vortagsanreisen in der dritten Liga wären der absolute Wahnsinn.“
Niko Kovac, Trainer RB Juniors:
„Das Problem ist die Finanzierung, das können sich nur wenige leisten. Sportlich wäre es aber ein Vorteil, die Qualität würde steigen. Grundsätzlich glaub ich auch, dass die Zuschauer bessere Spiele sehen würden. Von einer eigenen U21-Meisterschaft halte ich nichts, das bringt den Spielern keine Vorteile. Besser wäre, man würde die Teams in der Ersten Liga spielen lassen. Diese Entscheidung hätten sie aber besser vorher treffen sollen, für uns kam sie zu spät und wir mussten absteigen. Das sollte der ÖFB wieder rückgängig machen.“
Marcus Hoffmann, Trainer SV Seekirchen:
„Die Bundesliga und die Erste Liga gehören aufgestockt, denn die Erste Liga ist eine Bankrottliga. Für diese Reformen habe ich kein Verständnis, die Regionalliga ist nicht die Schlechteste. Es ist eben wie so oft, die eigenen Fehler werden nicht gesucht. Eine U21-Meisterschaft wäre vielleicht keine schlechte Idee, denn zuviele Amateure-Mannschaften in einer Regionalliga sind nicht sinnvoll. Für uns käme diese neue Liga nicht in Frage, wir sind ein Ausbildungsverein für die jungen Spieler und streben nicht nach Höherem.“
Dietmar Ölz, Sportlicher Leiter FC Dornbirn:
„Von dieser Reform halte ich nix. Sportlich wäre diese Liga für die Amateurteams der Bundesligaklubs sicherlich gut, doch in Österreich ist einfach das Potenzial an Klubs für eine bundesweite dritte Liga nicht da! Es ist ja schon schwierig, 20 gesunde Klubs für die obersten beiden Ligen zu finden, wie soll das in einer bundesweiten dritten Liga klappen? Aufgrund der Fahrtkosten und allen Drum und Dran denke ich, dass diese Liga unfinanzierbar wäre.“
Markus Mader, Trainer FC Hard:
„Eine Teilnahme an dieser Liga wäre für viele Klubs allein vom Finanziellen nicht möglich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Konzept funktioniert, vor allem für uns Klubs in Vorarlberg kann ich mir das überhaupt nicht vorstellen.“
Peter Jakubec, Trainer Altach Amateure:
„Sportlich ist die Idee sicherlich nicht so schlecht, doch ich kann mir nicht vorstellen, dass das Konzept wirtschaftlich umsetzbar wäre.“
Michael Grabherr, Trainer FC Höchst:
„Sollte diese Reform kommen, so muss man ganz klar sagen, dass eine Teilnahme an einer österreichtweiten dritten Liga für Höchst absolut undenkbar wäre. Den Aufstiegsmodus der Landesliga-Meister stelle ich mir sehr kompliziert vor, zudem denke ich, dass diese dritte Liga im Gesamten keine optimale Lösung darstellt. Für die Zuschauer wäre sie wohl sehr unattraktiv – vor allem, wenn viele Amateurteams mitspielen. “