von Nightfire_01 » 19.06.2007 14:31
Kein Fluch der Karibik
Wer braucht schon die FIFA-Mitgliedschaft?
Beim CONCACAF-Gold-Cup stehen mit Gastgeber USA, Kanada und Mexiko die "üblichen Verdächtigen" im Semifinale. Mit Guadeloupe ist der vierte Halbfinal-Teilnehmer jedoch ein Überraschungsteam, das einen Blick hinter die Kulissen wert ist.
Während die Verbände von Nord- und Zentralamerika seit Jahren auch immer besser im internationalen Fußball mitmischen, gelten die Karibik-Staaten in der öffentlichen Meinung immer noch eher als erstrebenswerte Urlaubsdestinationen denn als ernst zu nehmende Gegner auf dem Spielfeld.
"Sperre" für den Confederations Cup
Guadeloupe etwa ist als Übersee-Departement Teil von Frankreich und damit kein eigenständiges FIFA-Mitglied. Dennoch ist die Inselgruppe in der Karibik, die zusammen mit Martinique die Französischen Antillen bildet, nun kurz davor, sogar den Fußball-Weltverband in Probleme zu bringen.
Denn der Gold-Cup-Sieger ist automatisch für den Confederations Cup 2009 in Südafrika qualifiziert, als von der FIFA nicht anerkannter Verband würde Guadeloupe aber wohl von der Teilnahme ausgeschlossen.
Über 70.000 Fans im Football-Stadion
70.092 Fans im Reliant Stadium (2004 Austragungsort der Super Bowl XXXVIII) von Houston, wo normalerweise das NFL-Team Houston Texans seine Heimspiel austrägt, trauten im Viertelfinale zwischen Guadeloupe und Honduras ihren Augen nicht. Der Außenseiter und Gold-Cup-Debütant stellte mit zwei frühen Toren die Weichen Richtung Semifinal-Einzug.
Zunächst bereitete Richard Edward Socrier in der 17. Minute per Kopf den Führungstreffer durch einen bekannten Namen des internationalen Fußballs vor: Jocelyn Angloma, inzwischen 41-jähriger französischer Ex-Teamspieler, bezwang Honduras-Torhüter Orlin Vallecillo zum 1:0, und nur vier Minuten später vollendete Assistgeber Socrier selbst zur Vorentscheidung.
Fehlender Respekt und eigene Lockerheit
Der Topsturm von Honduras mit Carlos Costly und Carlos Pavon (zusammen sieben Tore in den drei Gruppenspielen) fand danach kaum ein Mittel gegen die kompakte Defensive des Außenseiters. Während Costly in der 67. Minute ausgewechselt wurde, gelang Pavon in der 71. Minute nur noch der Anschlusstreffer.
"Wir haben dem Gegner nicht den nötigen Respekt entgegengebracht und das war unser größter Fehler", zeigte sich Trainer Reinaldo Rueda nach der Schlappe seines favorisierten Teams enttäuscht.
Im Lager des unterschätzten Siegers war der Jubel hingegen naturgemäß groß. "Nun sind wir im Halbfinale und wollen wieder gewinnen. Wir haben nichts zu verlieren, weil uns keiner etwas zutraut, so frei und locker spielen wir auch. Der Druck liegt bei unseren Gegnern", freute sich Mittelfeldspieler Stephane Auvray.
Stolz trotz fehlender Eigenständigkeit
Coach Roger Salnot zeigte sich ebenfalls begeistert: "Wir spielen jetzt schon seit 15 Jahren, obwohl wir kein eigenständiger Staat sind. Aber wir sind stolz darauf, Teil Frankreichs zu sein, und wollen auch so weitermachen."
Nun geht es am Donnerstag in der Runde der letzten vier gegen Mexiko, während im zweiten Semifinale Veranstalter USA und Kanada aufeinander treffen.
Auch Angloma selbst gab sich trotz seiner erfolgreichen persönlichen Vergangenheit nicht abgehoben: "Wir wissen, dass wir ein kleines Team haben, aber wir geben immer alles. Gegen Mexiko wird es jetzt sehr schwer, doch das ist normal."