"Jung oder alt ist nicht das Problem, gut oder schlecht ist die Frage.
Ivica Osim
Profistationen als Spieler:
07/1976 - 06/1978 RC Strasbourg
07/1975 - 06/1976 US Valenciennes-Anzin
07/1972 - 06/1975 CS Sedan Mouzon Ardennes
09/1970 - 06/1972 RC Strasbourg
01/1970 - 08/1970 Zeljeznicar Sarajevo
07/1959 - 12/1968 Zeljeznicar Sarajevo
Profistationen als Trainer:
01/2006 - ? Nationalmannschaft Japan
01/2005 - 06/2006 JEF United Ichihara
07/1994 - 09/2002 Sturm Graz
07/1992 - 03/1994 Panathinaikos Athen
07/1991 - 06/1992 Partizan
07/1987 - 12/1990 Nationalmannschaft Jugoslawien
07/1978 - 06/1986 Zeljeznicar Sarajevo
Mit welchen Erwartungen treten Sie mit dem japanischen Team gegen Österreich an?
"Wir spielen nicht für nichts,
wir kommen nicht als Touristen. Wir wissen, um was es vor allem für Österreich geht und wollen mehr als nur Sparring-Partner sein. Wir haben die Einladung gerne angenommen, weil es für die japanischen Spieler wichtig ist, andere Kulturen kennenzulernen. Hier zu Gast zu sein und gegen einen EM-Organisator zu spielen, ist eine große Ehre."
Wer geht als Favorit in dieses Spiel?
Das kann man nicht sagen. Jede Mannschaft hat gute und schlechte Seiten."
Wo liegen die Unterschiede zwischen dem österreichischen und dem japanischen Fußball?
"Für mich ist das schwierig einzuschätzen, ich bin ja schon fünf Jahre nicht mehr in Österreich. Es gibt sicher Differenzen. Zu sagen, in Japan wird schneller und in Österreich physischer gespielt, kann man nicht machen. Jede Mannschaft hat ihren eigenen Stil."
Wie steht der österreichische Fußball Ihrer Meinung nach derzeit da?
"Der Club-Fußball reflektiert alles andere. Es wäre ideal gewesen, wenn Salzburg in die Champions League gekommen wäre, das wäre eine Lokomotive gewesen."
Welche Chancen geben Sie dem österreichischen Nationalteam bei der Heim-Europameisterschaft?
"Es wäre nicht korrekt, jetzt über solche Sachen zu reden. Man weiß jetzt noch nicht, wer genau in der Mannschaft spielen wird und gegen wen Österreich spielt."
Ist es für das ÖFB-Team ein Problem, dass bis zur EURO nur noch Testspiele auf dem Programm stehen?
"Für Österreich ist das schwierig. Das sind keine Pflichtspiele, aber die Zuschauer sehen das anders. Bei einem Punktspiel schaut man nachher darauf, was die Mannschaft gut gemacht hat, bei einem Freundschaftsspiel ist das genau umgekehrt."
Sollte man im A-Team angesichts der jüngsten Erfolge von ÖFB-Nachwuchs-Auswahlen mehr auf junge Spieler setzen?
"Jung oder alt ist nicht das Problem,
gut oder schlecht ist die Frage. Es ist schön, dass Junge da sind, aber es können nicht alle von ihnen spielen."
Wie schätzen Sie generell die Entwicklung des österreichischen Fußballs ein?
"
Kleine Länder wie Österreich, Ungarn, Tschechien oder die Länder des früheren Jugoslawiens, die früher den Weltfußball geprägt haben,
sind wegen des vielen Geldes zu Kolonien der großen Länder geworden. Sie sind wie ein Vorgarten, in denen Spieler Erfahrung sammeln und dann in eine große Liga geholt werden."
Und wie lautet ihre aktuelle Bestandsaufnahme, was den japanischen Fußball betrifft?
"Fußball ist nicht weit hinter Baseball der populärste Sport des Landes. In Japan ist noch viel Spaß dabei, sowohl beim Publikum als auch bei den Spielern. Das Schöne daran ist, dass man viel improvisieren, verspielt sein kann. In Europa ist dafür zu viel Geld dabei, als dass man im Fußball Spaß machen könnte. Der Fußball in Europa ist schon lange nicht mehr Nebensache, sondern Politik. In Japan ist man davon noch weit entfernt, aber auch dort wird es so kommen, davon bin ich überzeugt."
Was haben Sie sich mit dem japanischen Nationalteam noch vorgenommen?
"Unser Ziel ist es, der Spitze näher zu kommen und uns für die WM 2010 zu qualifizieren (Anm.: Die Gruppenauslosung in Asien erfolgt am 25. November). Aber das wird schwierig, denn da gibt es noch Länder wie Südkorea, Australien, China oder die ganzen arabischen Staaten. Alle diese Länder haben gute Trainer und spielen einen guten Fußball."
Warum sind Sie zuletzt mit einigen japanischen Journalisten im Clinch gelegen?
Osim: "Mein Dolmetscher muss nicht immer alles richtig verstehen, außerdem muss man nicht immer alles richtig interpretieren. Wenn die Nerven angespannt sind, passieren vielleicht von Zeit zu Zeit Fehler. Kritik ist in Ordnung, aber einige Fragen waren eine Provokation. Beim Asien-Cup haben alle erwartet, dass wir wieder gewinnen werden, dann habe ich eben gesagt: Okay, Japan ist auf ewig Asien-Meister und alle anderen brauchen gar nicht mitspielen."
Wie sehen Sie die Turbulenzen der Clubs aus Ihrer ehemaligen Wahlheimat Graz?
"Was passiert ist, war logisch, denn
in einer Stadt wie Graz ist es schwierig, zwei Vereine in der höchsten Liga zu finanzieren, die auch noch im Europacup spielen wollen. Das kann man nur in Wien machen, nicht in Graz."