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Paul Scharners Rücktritt aus dem Nationalteam

Alles rund um das ÖFB Team bzw. das Nationalteam von Österreich. News, Freundschaftliche Länderspiele usw.

Paul Scharners Rücktritt aus dem Nationalteam

Beitragvon Hannimator » 20.09.2006 22:07

Hier ein Auszug aus Paul Scharners Homepage zum Thema Nationalteam:

Rücktritt Nationalteam

  Meine Nationalteamkarriere war mit vielen negativen und sehr wenigen positiven Ereignissen gezeichnet.

  Mein Debüt feierte ich im April 2002 gegen Kamerun (0:0) unter Teamchef Krankl. Meine Leistung war für einen Debütanten sehr ansprechend und ich wurde in meinem ersten Spiel (!)  gleich über 90 Minuten eingesetzt. Das war natürlich bis dahin mein schönstes Erlebnis in meiner Karriere. Zumal der heutige Barcelona Superstar Eto’o von mir ausgeschaltet wurde und Eto’o meine Leistung kommentierte mit den Worten: „ The strongest man, I’ve ever had.“

Aber es sollte gleich beim nächsten Länderspiel die Ernüchterung folgen und so musste ich gegen Deutschland auf der Bank Platznehmen, ohne ersichtlichen Grund. Typisch österreichisch?? Wie zuvor die Überraschung der Start über 90 Minuten passierte, widerfuhr mir jetzt die nächste Überraschung, keine einzige Minute Einsatz im folgenden Spiel.

Es folgten einige Eliminierungen aus dem Team, weil ich damals keinen Stammplatz bei der Austria hatte.

Krankl erklärte, dass er nur Spieler nominieren könne, die in ihrem Klub Stammspieler sind.

Kleines lustiges Detail am Rande: Diese Regel wurde später nur bei meiner Person ausgeführt.

Es gab einige Spieler die trotz nicht Stammplatzes nominiert wurden. Klingt zwar lustig, aber wenn man den österreichischen Fußball als Profigeschäft betrachtet, ist das schon ziemlich heftig.

Ein Sprung zum Qualifikationsspiel auswärts gegen Weißrussland. Es war ein Doppelländerspieltermin wo üblicherweise 22 Spieler einberufen werden. Vor dem Spiel wurden die 18 Spieler die beim Spiel auf dem Blankett standen von Krankl verlesen.

Ich war nicht dabei und wollte die Ursache in Erfahrung bringen. Teamchef Krankl war sehr ehrlich und sagte: "Trenne dich von deinem Mentalbetreuer Valentin Hobel, dann hast du wieder Chancen".

Da war ich natürlich etwas sprachlos, dass dieser Umstand (Mentalbetreuer) den Ausschlag gibt ob man spielt oder nicht. Ich dachte in meiner Naivität, dass für eine Nominierung nur die Leistung zählt!

Ich wurde immer mehr als Außenseiter abgestempelt und mir wurden keine Möglichkeiten gegeben mich im Team einzubringen. Es wurde auch noch negative Stimmung vom gesamten Betreuerteam verbreitet.

Die letzten Nominierungen, hauptsächlich ins Challange Team, waren immer eine große Überwindung für mich.

Auch noch erwähnenswert ist dass in meinem 15 monatelangen Gastspiel in Norwegen nur ein Besuch von einem ÖFB-Angestellten erfolgte. Und das beim Cupfinale in Oslo nach drei Monaten Bergen.

Darauf folgte in zwölf Monaten kein einziger Besuch, von einem Teamchef war damals keine Spur.

Es wurde nur die Bemerkung kundgetan: "Norwegen wo ist das überhaupt".

Und so sollte ich eineinhalb Jahre keine A-Teamnominierung mehr erhalten.

Erst nachdem Krankl frühzeitig entlassen wurde, spielte ich die letzten zwei Länderspiele in der WM-Quali 2006, bei der es um nicht mehr viel ging.

Aber es hatte auch etwas sehr Positives. Denn mein zukünftiger Trainer saß auf der Tribüne im Old Trafford gegen England, Paul Jewell von Wigan Athletic, meinem heutigen Förderer und Sportchef.

Im Jahr 2006 spielte ich drei Länderspiele. Alle drei gingen verloren, verdient verloren. Der körperliche Unterschied war eklatant. wir hatten nie eine Chance diese Spiele zu gewinnen.

Nettes Detail am Rande: Bei der Vorberichterstattung wurde ich außen vor gelassen und nach dem Spiel immer als Begründer der Niederlage herangezogen. Mehr oder weniger als Schuldiger gesehen. Meine Länderspielbilanz ist somit schon eher als schlecht anzusehen, ich fühle mich auch gescheitert und werde aus den Fehlern wie immer lernen. Zu denken gibt mir, dass ich außer bei den Länderspielen immer auch eine Torbilanz aufzuweisen habe, im Team habe ich in 15 Spielen kein einziges Mal getroffen - Wahnsinn!!

Was mir ebenfalls sehr negativ in Erinnerung geblieben ist, war der Umstand, dass die Presse in demselben Hotel residierte wie das Nationalteam. Wir hatten keine Privatsphäre und wurden ständig beobachtet. Wir machten auch nie etwas gemeinsam. Jeder kochte seine eigene Suppe oder es gab Gruppenbildungen. Wir hatten kein einziges taktisches Training in 15 Tagen Nationalteam!?

Vor dem Ungarnspiel gab es „Video-Fehleranalysen“ vom letzten Spiel gegen Kroatien. Da wurden erst die taktischen Vorgaben für die jungen Spieler klar. Einige Wochen zu spät. Hiermit erklärt sich wohl von selbst, warum ich das Verhalten des ÖFB als unprofessionell eingestuft habe.


Dieser Beitrag spiegelt die Situation im Team wieder, gute Nacht ÖFB.
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Hannimator
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